Kompatibilitäts Knoff-Hoff : Was & Warum
Um das Thema Transceiver-Kompatibilität und sogenannte "3rd-Party-Transceiver" ranken sich so viele Gerüchte, dass Anwender fast an die FUD-Kampagnen zum Launch der Linux-Alternative erinnert werden. Verlässliche Informationen sind schwer zu erhalten. Doch einmal mehr bewahrheitet sich: "Wissen ist Macht". Was also steckt dahinter?Skuriles VORAB:
Unabhängige Stimmen - das "Geheimnis" das gar keines ist
Unabhängige Analysten und namhafte Bracheninsider haben das Phänomen schon mehrfach adressiert. Jedoch ohne nennenswertes Umdenken der Systemhersteller. Hier finden Sie einige dieser Beiträge:
"Cisco's Secret Franchise"
http://www.lightreading.com/document.asp?doc_id=102950
"Use Our Optics, or Else!"
http://www.lightreading.com/document.asp?doc_id=44456
"The Cisco Markup"
http://www.lightreading.com/survey_results.asp?doc_id=102980
Sinnvolle Identifikation
Jeder Transceiver hat neben dem äußerlich lesbaren Label/Aufkleber mit Artikel- und Seriennummer auch einen integrierten Speicherchip. Dieser stellt neben funktionsrelevanten, teils dynamischen Informationen zu Temperatur und optischen Pegeln auch statische Informationen wie Artikelnummer, Herstellername und Seriennummer elektronisch bereit. Diese Datenstruktur ist einheitlich und verbindlich in den MSA-Standards festgelegt, um z.B. ein einfaches Inventar-Management für diese aktiven und funktionskritischen Netzelemente zu ermöglichen.Technischer Hintergrund
Der integrierte Speicher-Identifikations-Chip ist oft ein handelsübliches EEPROM (Electrical Erasable Programmable Read-Only Memory), dessen Daten über einen seriellen Datenbus (meist I2C) sehr einfach gelesen und beschrieben werden können. Diese I2C-Kommunikation wird von den Netzwerksystemen (Router, Switch ,etc.) genutzt, um die für die Funktionalität relevanten Daten wie Temperatur oder optisches Budget auszulesen und z.B. in eingesetzte SNMP-Netzwerküberwachungssysteme zu integrieren.Im MSA-Standard ist detailliert festgelegt, wie das Lesen und Beschreiben des EEPROMs umzusetzen ist. So ist z. B. zum Ändern des Artikelnummer-Eintrags eines GBIC-EEPROMs der Inhalt des Speicherbereichs "40-55" (16 Bytes) mit den hexadezimalen Werten über den I2C-Bus zu beschreiben.
Mögliche Nutzung der Identifikation
Einige Hersteller von Netzwerksystemen wie Router, Switche, etc. nutzen die im Standard vorgesehene I2C-Identifikation allerdings nicht nur im Sinne eines funktionsrelevanten Auslesens der Daten, sondern auch zur blockierenden Beschränkung der einsetzbaren Transceiver-Typen.Ein mögliches Verfahren dieser technischen Einschränkung:
Vom Netzwerksystem werden nicht nur Leistungsdaten abgefragt, sondern oft auch ein herstellerspezifisches Datenwort "A", das an einer ungenutzten Speicherstelle des Transceiver-EEPROMs hinterlegt ist. Dieses Datenwort "A" wird mit einem vom Netzwerksystem (z.B. Router) dynamisch anhand der restlichen EEPROM-Inhalte generierten Datenwort "B" verglichen. Wenn sich beide Datenworte unterscheiden, wird der eingesetzte Transceiver vom Netzwerksystem abgeschaltet und ist nicht weiter nutzbar.
Diese Abschaltung wird auch vorgenommen, wenn zwei Transceiver in ein und denselben Netzwerksystem die gleichen EEPROM-Inhalte vorweisen.
Der "springende Punkt"
Prinzipiell ist es positiv, dass ein Hersteller über Identifikationsverfahren z.B. die Qualität und Ausfallsicherheit seiner Systeme erhöhen möchteAnders wird es jedoch wahrgenommen, wenn die Identifikationsverfahren dazu genutzt werden, um dem Anwender bewusst Einschränkungen in der Wahl der Systemkomponenten vorzugeben. Jeder Anwender sollte bei technischer Gleichwertigkeit frei entscheiden können, welche Transceiver-Technologie er einsetzen möchte. Denn die Systemhersteller, die entsprechende Sperr-Mechanismen in ihren Routern oder Switchen implementiert haben, sind oft nicht die Hersteller der Transceiver. Viele Systemhersteller kaufen Transceiver von internationalen, spezialisierten Tansceiver-Herstellern und vermarkten diese Zukaufprodukte unter eigenem Label bzw. eigener Marke zu oft deutlich höheren Preisen. Dazu integrieren einige Transceiver-Hersteller spezielle Identifikations-EEPROM Inhalte auf den Transceivern und kennzeichnen sie mit entsprechende Produktlabeln nach Vorgaben der Systemhersteller. Endbenutzer der Netzwerksysteme zahlen somit häufig ein Vielfaches des tatsächlichen Marktpreises für standardisierte Produkte und werden durch diese "Codierung" sogar gehindert, physikalisch und elektrisch vergleichbare Produkte von teils identischen Herstellern einzusetzen.
ReConfigurables - Grundlagen und Vorteile
Die grundlegende Idee, fixbestückte Schnittstellen durch steckbare Optiken wie GBIC, SFP, XFP und SFP+ zu ersetzen bietet eine Vielzahl von Vorteilen:- Variabilität der Übertragunsmedien
(Kupfer, Multimode, Singlemode, C/DWDM, …) - Unterschiedlichste Datenraten
(100 Mbps bis 10 Gbps) - Bedarfsgerechte PowerBudgets (dB)
(wenige Meter bis 200km Reichweite)
TIP:
ReKonfigurierbarkeit beachten!
Neben diesen grundlegenden Stärken, haben eine Vielzahl der heute eingesetzten kostenoptimierten Transceiver jedoch eine kaum beachtete Hardware-Schwäche:
Eingeschränkte ReKonfigurierbarkeit
Hintergrund ist oft das produktionstechnische Verfahren, mit dem Transceiver vom Hersteller in der Massenfertigung für die jeweiligen Netzwerkendsysteme konfiguriert werden. Interoperabilitäts-relevante Merkmale werden dabei zur Effizienzsteigerung der Produktionslinien oftmals schon vor der Bestückung/Assemblierung auf die jeweiligen Bausteine programmiert. Diese Daten/Bausteine sind später nur eingeschränkt änderbar oder benötigen ein aufwendiges Re-Initialisierungsverfahren.
flexOptix-Transceiver mit integrierter Mikro-Controller Technik sind dagegen für multiple Konfigurations-Änderungen spezifiziert und freigegeben.
Da die einfache ReKonfigurierbarkeit Ihrer Transceiver die langfristig größtmögliche Flexibilität und Wiederverwendbarkeit der Hardware garantiert, achten Sie bereits vor dem Kauf darauf. Die spätere ReKonfiguration kann die tatsächliche operative Lebensdauer Ihrer Transceiver bei einem Netzwerk-Systemwechsel entscheidend verlängern. Sprechen Sie Ihren Zulieferer direkt darauf an – so können Sie potentiell späteren Zeit- und Kostenaufwand minimieren.
